LOKOMOTIVE – Das Läuferbier Winter

Erfurter Brauwasser
Pilsener Malz, Münchner Malz, Rauchmalz, Roggenröst, Carafa Typ II
Arania Hopfen
Wallonische Hefe
5,5 Vol. %

DIE IDEE – LOKOMOTIVE

Das Jahr 2017 neigt sich langsam dem Ende zu. Die Gedanken sind diesen Sommer bereits im Winter 2018. Aber die Zeit der Besinnung kommt zwangsläufig. Viele Läufe waren es heuer. Ein Crosslauf hier, ein Supermarathon da. Ein Trainingslauf hier, ein Genusslauf da. Ein kurzer 5er nach dem Feierabend hier, ein anstrengendes Hindernislauf-Wochenende mit drei Läufen in zwei Tagen in den Tiroler Bergen da. Am Ende sitzen wir im Oktober 2017 am Vorabend des Köln Marathon zusammen und philosophieren über unser neuestes Bierprojekt – das Läuferbier für den Winter.

Gewöhnlich soll es nicht sein, dieses Läuferbier aus dem Laufladen Erfurt. Speziell, einzigartig und mit klarem Bezug zum Laufen. Während HELGA schon wieder ausgetrunken ist, denken wir an die bevorstehenden Wintermonate vor dem Kamin. Lodern tut das Feuer. Dampf ablassen ist auch wichtig in den Tagen der tief stehenden Sonne und gestressten Mitmenschen. Laufen kann da auch befreiend sein. Einer der sehr viel gelaufen ist und alles andere als gewöhnlich war, hieß Emil Ferdinand Zátopek – genannt die LOKOMOTIVE.

Vor über 95 Jahren im September 1922 in Kopřivnice /Tschechoslowakei geboren, war er ein und wenn nicht sogar der tschechoslowakische Leichtathlet. Vor allem aber war er in erster Linie als Langstreckenläufer und Ausnahmeathlet bekannt: Olympiasieger, Europameister und Weltrekordhalter. Gerade Zátopeks ungewöhnliche Trainingsmethoden galten damals als revolutionär. Sein unorthodoxer Laufstil sorgt bis heute für kontroverse Diskussionen darüber, ob ökonomisch-sauberes Laufen sinnvoll sei.

Wer LOKOMOTIVE trinkt, unterstützt nicht nur die Landwirtschaft. Vielmehr nimmt er sich eine Auszeit aus industriell hergestellten Bieren und unserer hektischen Welt. LOKOMOTIVE ist nicht nur eine Hommage an Emil Zátopek sondern auch an die lokale Trinkkultur. Gebraut in der Erfurter Braumanufaktur Heimathafen. LOKOMOTIVE trinkt man selten allein sondern in geselliger Runde mit Sportlern. LOKOMOTIVE ist unfiltriert und reich an natürlichen Ressourcen. Vor allem steckt in LOKOMOTIVE viel Herz und Liebe. Und davon kann es auf der Welt nie genug geben. LOKOMOTIVE ist genau der richtige Begleiter für einen herrlichen Winterabend vor dem Kamin. Die Gedanken kommen und gehen dahin. Mit jedem Schluck wird ein bisschen mehr Dampf abgelassen. Typisch für den Kamin ist es etwas rauchig. Und passend zur kalten Jahreszeit darf LOKOMOTIVE auch etwas dunkler sein.

LOKOMOTIVE 2019 / 2020

Abholung des Malzes mit dem Fahrrad

Was ist das für ein geiler und heißer Sommer 2019? Das Sommerläuferbier HELGA war dreimal ausverkauft und dreimal mussten wir nachbrauen. Da haben wir uns entschieden, die letzten warmen Tage gleich zu nutzen und unser Malz für die LOKOMOTIVE einfach selbst zu holen. Gesagt – getan. Mitte August ging es also an einem Freitag mit dem Rad nach Mellrichstadt zur Rhön-Mälzerei. Nach einer herzlich-familiären Begrüßung hieß es schnell, die 25 Kilo Säcke auf die Radanhänger zu verteilen. Das Thermometer pegelte sich schon bei 25°C ein. Und immerhin lagen knappe 110 Kilometer Straße, Feldweg, Schotter und der Rennsteig vor uns. Gemeinsam ging die Abordnung vom Laufladen Erfurt und dem Heimathafen – Erfurter Braumanufaktur in den Sattel und in Richtung Osten.

Von Mellrichstadt nach Erfurt – so lautete der grobe Plan. Über die inzwischen grüne Grenze ging es bei schönstem Sonnenschein immer weiter in Richtung Rennsteig. Ausgebaute Radwege, Abkürzungen über Feldwege oder auch die eine oder andere Schotterpiste durch den Wald forderten nicht nur die Fahrer sondern auch das Malz. Relativ schnell merkt man dann, dass so ein 25 Kiloanhänger nur bis etwa 55 km/h in der Abfahrt schiebt und sich dann aufschaukelt… Zum Glück werden ja nur erfahrene Sportler zur Bier-Malz-Abholung zugelassen. Quer durch das wunderschöne und fast menschenleere Südthüringen ging es schließlich über den Bahnhof Oberhof auf den Rennsteig. Passend zum Biernamen stieg dann auch ziemlich viel Dampf aus der Gruppe auf. Nach Rondell und kurzer Trinkpause ging es über den Gera-Radweg weiter nach Arnstadt. Braumeister Jan kannte da noch jemanden in der Stadtbrauerrei… Und die Dehydrierung ist ja seit jeher der größte Gegner eines jeden Sportlers. Pünktlich zu den ersten Regentropfen erschien auch schon das Ortsschild von Erfurt. Am Ende gab es nur zwei platte Reifen, 110 Kilometer mit 1.000 Höhenmetern und knappe 3.500 kcal auf der Uhr. Viel wichtiger war neben den vielen Schweißtropfen aber die landschaftlichen Eindrücke und die Erkenntnis, dass wir wohl jetzt immer das Malz nachhaltig und per Muskelkraft holen.

DER BRAUPROZESS

Ein herrlicher Montag ist dieser August 2019. Erfurt liegt noch verträumt im Bett während im Zughafen schon der Dampfkessel qualmt. Der Sommer ist fast vorbei. Die Läufe gelaufen und die Messe gelesen. Braumeister Jan wartet schon in der Braumanufaktur Heimathafen auf seine Gäste. Das heutige Brauteam könnte nicht bunter gemischt sein. Vom Sportlehrer über Braumeister in spe bis zum ehemaligen Restaurator und Bier-Sommelíer ist heute alles dabei. Gemeinsam ist allen, dass wir Läufer sind mit einem gewissen Hang zum Genuss und regionalen Projekten.

Los geht es um 07.30 Uhr in der Früh mit dem Schroten. Für 6 Hektoliter braucht es knapp 180 Kilo feinstes regionales Malz aus Erfurt und Mellrichstadt. Wir verwenden Pilsener, Münchener, Carafa, Rauch-, Röst- und eine Spur Roggenmalz aus Mellrichstadt. Das geht nur im Team. Hand in Hand wird ein Zentner nach dem anderen geschrotet. Zwischendurch wird gezwickelt. Nach knapp zwei Stunden stehen die Zutaten bereit für das Einmaischen.

Kurz nach dem Schroten heißt es erst einmal innehalten. Geträumt wird nicht nur in den kuschlig warmen Betten Erfurts sondern auch gemeinsam auf der Rampe vor der Braumanufaktur. Im Ost hat schon lange die Sonne ihren Aufgang beendet. Schnell beginnen die Sonnenstrahlen den Körper zu wärmen. So soll es später auch mit der LOKOMOTIVE gehen. Es geht nicht einfach um Bier. Es geht darum, ein handgemachtes und vergängliches Produkt zu kreieren. Und zwar regional. Erfurter Wasser. Erfurter Rohstoffe aus der Erfurter Malzfabrik und Thüringer Hopfen. Das war unser Ziel.

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, die ersten Säcke des Läuferbieres persönlich in den Südkessel zu geben. Unter Aufsicht des Braumeisters rinnt gefühlvoll das Schrott in den Braukessel. Langsam wird die Temperatur nach oben gefahren. Zeit genug um sich beim Frühstück oder Zwickeln weiter Gedanken zu machen. Gemeinsam braut es sich eh leichter. Zwischen Baumkuchen, Weintrauben und frischem Treberbrot wird weiter mit Hopfen und mitgebrachtem belgischem Klosterbier experimentiert. Das kann ja noch ein lustiger Brautag werden…

Nach dem Abpumpen und dem Trennen des Trebers heißt es erst einmal körperlich hart arbeiten. Die Treberreste wollen aus dem Kessel gekratzt werden und müssen abtransportiert werden. Bei inzwischen gefühlten 49°C Raumtemperatur ist das ein echter Spaß. Dabei geht es nicht etwa auf den Müll sondern auch hier wird nachhaltig gedacht und agiert. Ein Teil geht an die Tiere des Magdalengutes. Der Rest geht in das Café Lobenstein nach Erfurt Süd und wird dort zu einem extrem leckeren Treberbrot verbacken.

Nach etlichen Stunden des Wartens, Rührens, Zwickelns und Nachschauens steht endlich das Ausschlagen an. Der Hopfen will nun auch hinzugegen werden. Im Gegensatz zu „unserer“ Brauerei Drei Kronen in Memmelsdorf gibt es im Heimathafen kein großes Rohrleitungssystem. Alles muss per Hand ab- und woanders wieder angeschraubt werden. In der Hoffnung, dass nicht doch irgendwo das falsche Ventil geöffnet wird oder doch noch irgendetwas im Schlauch ist. Wir entscheiden uns, den Sud in mehreren Stufen langsam und mit viel Gefühl herunter zu kühlen. Die ersten Tropfen verheißen mit ihren mahagonifarbenem Aussehen ein wirklich gutes LOKOMOTIVE zu werden. Es riecht förmlich nach feucht warmen Sauerteig und einem markanten Malzduft. Die Vorfreude steigt auf den Oktober, wenn sich die erste Flasche gegönnt wird.

Bis dahin lassen wir aber den Sud erst einmal abkühlen. Vor der Tür hat jemand den Rost angeschmissen und immer wieder kommen Besucher, die schon einmal einen Blick auf die Läuferbier – Produktion werfen möchten. Die Hefe ist heute hingegen überhaupt nicht divenhaft sondern möchte nur zart umschmeichelt von den Herren werden. In einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit kann die große Chance dr Verabredung zwischen Sud und Hefe nämlich vorbei sein. Man macht sich erst einmal langsam bekannt Wenn die Chemie und die Temperatur dann stimmen geht die Thüringer Hefe langsam eine Symbiose mit dem Rest ein. Erst dann darf sie sich die nächsten 6 Woche völlig entfalten. Die zwei scheinen sich aber zu mögen. Am Ende kommt der Deckel auf den Gärtank und die Temperatur wird eingestellt.

Ab jetzt heißt es, Daumen drücken. Die Bernsteinfarbe ist schon einmal in unserem Sinne. Die finale Stammwürzenkontrolle von etwa 13,4°P lässt einen Alkoholgehalt von um die 5,5 % VOL. erwarten. Wenn das mal nicht ein gutes Zeichen für die romantischen Stunden vorm offenen Kamin ist. Nun heißt es nachbereiten. Körperlich und geistig. Die Sudtafel ist mit dem LOKOMOTIVE Bier beschrieben. Die Schläuche liegen im Trockenen und der Südkessel ist gereinigt. Wir dürfen wieder zwickeln. Erfurter Urbier, HoLa, Pale Ale, JACK, Pils EGON oder das GABI des Meisters. Am Ende glauben wir fest daran, ein Spitzenbier gebraut zu haben. Regionale Zutaten, viel Liebe zum Detail und eine Menge Zeit stecken drin.

Bezugsquellen

  • 1. Laufladen Erfurt, Lachsgasse 3, 99084 Erfurt (Flaschenbier, Bierdeckel, Gläser)

    2. Mühlencafe 99869 Ballstädt, Sa + So von 13:00 – 19:00 Uhr geöffnet (Flaschenbier)

    3. Heimathafen – Erfurter Braumanufaktur, Zum Güterbahnhof 20, 99085 Erfurt (Flaschenbier, Bierdeckel, Gläser)

    4. Die Korkenzieherin Lange Brücke 12, 99084 Erfurt: Flaschenbier & Bierdeckel

    und vielleicht in Ihrem Lieblings-Läuferbier-Lokal?

    Die neue LOKOMOTIVE gibt es seit 13.November 2019 und so lange der Vorrat reicht.